Wie ich zum Verein kam

 

… wie die Heiden zu den Hemden, sagt man doch und genau so war es dann auch!

Ich saß bei meiner Ärztin, mit den Gedanken mehr bei meiner Bandscheibe als mir lieb gewesen wäre - was sollte ich denn nun mit Jasper machen?

Jasper ist mein Kater, der seit 2 Jahren bei mir lebt und sich von mir versorgen lässt.

"Krankenhaus – Reha – Jaaaasper… Oh jeee!"

Als ich wohl einen sehr bescheidenen Gesichtsausdruck machte und der Ärztin meines Vertrauens erklärte, dass das ja nun gar nicht gehe, beruhigte sie mich und meinte sie habe da eine Idee. Ich solle sie mal machen lassen!

Später verließ ich dann die Praxis mit Spritze, Rezept und Handynummer von "Schrittchen für Schrittchen" und Schrittchen für Schrittchen schlich ich Heim und rief dort an.

Eine wache, warme Stimme sagte: "Ok, für JEDES Problem gibt es eine Lösung und wir werden sie schon finden!"

Gequält schilderte ich, dass Jasper mein 'Ein und Alles' sei nach dem Tod meines Sohnes und ich ihn zurzeit nicht versorgen könne.

"Ok", sagte die Stimme, "ist das schon vorerst alles?"

"Ja" – aber, wollte ich noch einwenden, da sagte die Stimme: "Wo leben Sie und Ihr Schatz? Was brauchen Sie? - Das kriegen wir hin! Bis gleich also!"

Und tatsächlich, ein paar Stunden später tauchte eine Frau bei mir auf, die mir Kaffee kochte, sich Zeit nahm und mir Jasper versorgte.

Als ich fragte, was das denn nun koste, sahen mich zwei erstaunte Augen an!

War meine Frage denn so blöde? „Heutzutage ist doch nichts umsonst!“ (Hörte ich mich dann noch leise fragen.)

Mein Besuch schmunzelte und sah mich mit ihren strahlenden Augen direkt an. "Genau!" lachte sie verschmitzt. 

"Nichts ist umsonst! – Alles hat einen Sinn und es gibt keine Zufälle! Wir verlangen kein Geld  für die Hilfe, die wir geben. Wir sind da, wo wir gerufen werden, soweit wir eben können und hier ist es doch noch nicht einmal schwer!"

Sie lachte auf, schaute mich an, dann entstand eine Pause in der man in der Stille eine tiefe Ernsthaftigkeit spüren konnte.

Leise fuhr sie langsam und sehr konzentriert in ihren Gedanken fort:

"Wenn Sie nach einem Ausgleich fragen - ja den wünschen wir uns sehr. Unsere Hilfe soll weder abhängig noch hilflos machen! Wie ein angemessener Ausgleich ausfällt, hängt immer von jedem Einzelnen ab. Sie können sich sicher sein:

Jeder Mensch kann die Angemessenheit selbst spüren, wenn er mit sich und anderen Menschen achtsam lebt!"

Wenn sie einmal darüber nachdenken möchten, stellen sie sich vor:

Jemand gibt Ihnen immer und immer wieder und sie dürfen niemals in den Genuss kommen, Jemandem etwas zu geben, dann werden sie irgendwann sehr unzufrieden.

Wer nur nimmt, fühlt sich irgendwann sehr klein und machtlos und wer nur gibt, entfernt sich mit jedem Geben vom Anderen.

Was soll ich sagen - nach ein paar Tagen ging es mit meinen Schmerzen besser – Jasper hatte neue Freunde und ich begann mich bei den täglichen Besuchen immer mehr für "Schrittchen für Schrittchen" zu interessieren -

ein Verein der Trauernden und Traumatisierten hilft…

Ich war doch weder das Eine noch das Andere – sicher ich habe meinen Sohn verloren und ja seither ist alles anders! 

Aber jetzt hatte ich doch einen Hexenschuss und viel Glück gehabt. Warum fühlte sich "Schrittchen für Schrittchen" denn für mich zuständig? Langsam wuchs in mir die Neugierde: Was machen die da und warum?

Wie Ich mir diese Fragen beantwortete also demnächst…

 

Bis bald sagt Ihnen

       Rosel